Das war mir gar nicht klar, dass der
zugrundeliegende Beitrag schon so lange her war?
Wenn ich mir Ihre Reaktionen von damals noch
so durchlese, wird eine gewisse Berührtheit erkennbar:
Vom Fallschirm und Rettungsboot.
Aber ich habe ein kleines update dazu für Sie,
ein follow-up zu den damaligen Figuren:
- Die Führungskraft, die damals ihren Mann vor
die Tür gesetzt hatte, lebt wieder mit ihm im Haus,
mir ist nicht bekannt, wie es weitergegangen war mit ihm.
Aber ich stand vor ein paar Tagen neben ihm und
anderen Partygästen in deren Küche, und er wirkte
den ganzen Abend über entspannt, freundlich und
völlig normal auf mich.
Auf den Abend verteilt trank er vielleicht drei Bier,
mehr nicht, es waren auch keine alkoholfreien. - Auch die zweite Frau aus dieser Erzählung hat
ihren Partner wieder zurück in ihr Leben gelassen.
Das war eine kleine Überraschung, zumal wir uns
sicher waren, dass körperliche Gewalt im Spiel war.
Auch dieser Partner war auf der Party, er stand die
meiste Zeit in meiner unmittelbaren Nähe, machte
aber über Stunden kaum den Mund auf und sah auch
ansonsten absolut nicht wie ein Mann aus, der
der Partner dieser sehr auffälligen Frau sein könnte.
Dem Vernehmen nach hat er seit Juni keinerlei
Alkohol mehr angerührt. - Nach einer Vorweihnachtszeit mit viel Glühwein
und einem Wohnungseinweihungsdinner mit
allerlei Hochprozentigem sind meine Freundin und
ich ziemlich abstinent ins neue Jahr gestartet und
wollen daran auch weiter anknüpfen.
Ich freue mich darüber, dass die Jahresend-Feiern
mit vielen Trinkgelegenheiten vorbei sind und dass
ich schon lange nicht mehr "planerisch" an Alkohol-
Konsum gedacht habe, ganz einfach weil es derzeit
keine wichtige bzw. relevante Rolle spielt.
Dafür habe ich neue Laufschuhe gekauft^^.
(ganz anderes Thema) ((schwierig))

Mich hat der erste Post schon sehr geschmerzt, weil ich ebenso dieses Alkoholikerkind bin. Verstorben ist bisher niemand und die Situation ist in den Jahren besser geworden. Mir fehlt das Verständnis dafür, dass die Männer wieder zurück sind. Alkoholiker sind sicher nicht immer schlechte Menschen, aber je nach Erfahrung oder aus der eigenen heraus, ich würde in diesen Zustand nicht zurückwollen, wenn ich rausgekommen wäre. Ich wünsche Euch, dass Ihr dabei bleibt. Ich habe keinerlei Problem mit Suchtverhalten, Verlangen nach etwas und bin sehr froh darüber. Ich musste keine Gewalt in der Kindheit erfahren und war als Kind sicher, aber ein emotionaler Schaden ist da und eine gewisse Anzahl von Ängsten. Das wird so bleiben, dafür hat man zuviele traumatische Situationen erlebt.
AntwortenLöschenZu den ANDEREN:
LöschenIch bin da zwiegespalten hinsichtlich "wie bewerte ich das, was da passiert?" und auch " wie verhalte ich mich persönlich ab jetzt?".
Einerseits bin ich der Externe, womöglich der FREUND,
und der kommt zu dem gleichen Ergebnis wie Du:
"Lass dies lieber nicht zurück in Dein Leben, schütze Dich (und womöglich Deine Kinder), riskiere keine erneute(n) Verletzung(en)."
Andererseits habe ich am eigene Leib gesehen, dass ein alkoholisierter Mensch mit seiner unalkoholisierten Version mitunter gar nichts gemein haben kann und derjenige unter Alkoholeinfluss auch weite Teile dessen, was da passiert, gar nicht so erlebt bzw. mitbekommt (was ich einen der erschreckendsten Begleitumstände finde).
Das meine ich in dem Sinne, dass dieser Mensch EIGENTLICH gut ist und der Alkoholeinfluss nicht etwa "den wahren Kern" oder so etwas herausschälen würde - es könnte also "gut enden", und ehrlicherweise habe ich solche Fälle auch gesehen (was evtl. aber daran liegen könnte, dass man nur jene mitbekommt, die GUT ausgegangen sind und die ANDEREN werden dann anderweitig, aber nicht mit der Begründung "Alkoholmissbrauch" als zu Ende gegangen wahrgenommen).
Im zweiten beschriebenen Fall (das ungleiche Paar) bin ich immer noch baff erstaunt. Ich habe die Vorfälle, Ausfälle, Unglaublichkeiten gehört und glaube sie - und dann steht da ein Mensch abends auf der Party neben mir, der in ausnahmslos jedem Teilaspekt das GEGENTEIL darstellt.
Wir dachten erst, die Frau (war auch noch die weitaus jüngste im Raum) hätte ihren Kumpel oder Stiefbruder oder so was mitgebracht auf die Party - es vergingen STUNDEN, in denen ich meist auf Armlänge
neben den beiden stand, und KEINER hat mitbekommen, dass es sich dabei UM EIN PAAR handelt und ER derjenige war, um den sich alle die schlimmen Geschichten gedreht hatten!
Zu MIR selbst:
Als "suchtgefährdet" für alles Mögliche habe ich mich immer gesehen - nicht nur, aber auch wegen exzessiven PC-Spielens habe ich meine Selbständigkeit in die Grütze geritten.
In Sachen Alkohol war feedback mein Wachrüttelmoment, ein paar Mal habe ich Ereignisse erzählt bekommen, die ich nicht mehr (oder nicht mehr so) in Erinnerung hatte und in denen ich wirklich nicht gut weggekommen bin.
Und seither nehme ich mich zurück, bin weitaus vorsichtiger in der frühen Wahrnehmung von körperlichen Anzeichen und anders als noch vor einem Jahr oder so drehen sich meine Gedanken auch nicht mehr um einen anstehenden (oder erwünschten) Alkoholkonsum.
Mit den Schäden (allgemein, nicht zwingend alkoholinvolviert), die ich möglicherweise selbst in anderen Menschen verursacht habe, beschäftige ich mich. Häufig. Intensiv.
Vielleicht ist das mit ein Grund, weshalb ich weiter oben so auffallend tolerant und verständnisvoll rüber gekommen bin gegenüber "Tätern":
Auch Täter erleben manchmal Traumata von ihrem eigenen Verhalten.
Es hat alles zwei Seiten, das steht außer Frage. Es gibt verschiedene Arten von Alkoholabhängigkeit, die einen trinken jeden Tag, die anderen in Episoden. Bei mir ist es Letzteres. Das erklärt das Problem der Co-Abhängigkeit. Es gibt viele gute Phasen und im alkoholisierten Zustand ist der Mensch einem völlig fremd. Man hält an den guten Tagen fest und hofft auf Besserung. Diese Wesensveränderung ist schwer zu ertragen. So befindet man sich ständig im Zwiespalt. In Teilen geht es mir da ja wie Dir und ich habe das ebenfalls so erlebt, Mitgefühl, Nachsicht etc. natürlich auch. Als Kind habe ich einiges an Hilfe versucht, es war erfolglos bis heute. Der Abhängige kann nur selbst seine Situation ändern. Das macht es sehr schwer zu akzeptieren. Wer es schafft und die Sache gut ausgeht, Hut ab.
LöschenNicht jeder beschäftigt sich damit, was er unter Alkoholeinfluss anderen antut oder reflektiert die Konsequenzen, ist sich der eigenen Traumata bewusst, schämt sich dafür und möchte es ändern.
Ich gab vor einiger Zeit jemandem Feedback zu seinem Konsum. Derjenige war der Meinung, dass er unter Alkohol ruhig wird und absolut keine Bedrohung für andere darstellt und man das Trinken bei ihm nicht bemerken würde. Danach gab es erstaunte Aha-Momente und eine gewisse Scham seinerseits, als ich sagte, wie ich das während des Trinkens erlebte. Ich bin seit Kind an darauf getrimmt und ich bemerke, wenn jemand trinkt und wie er sich verändert. Als Kind lebt man in ständiger Angst, hat Schuldgefühle, übernimmt irrwitzige Verantwortung für beide Elternteile, wird zum Beschützer aller Beteiligten und entwickelt unfassbare Strategien. Meistens sagte ich später in Bezug auf mein Leben, dass ich einfach versuche zu überleben. Heute ist mir bewusst, woher das kommt.
Jede Sucht hat ihren Grund. Das Thema ist so vielfältig wie schwierig. Wenn man nicht selbst in der Situation steckt sowieso. Vielleicht geht alles gut aus...
Ich danke Dir für Deine Zeilen - ich habe es als spannungslösend empfunden zu lesen, dass es Menschen gab/gibt, die tatsächlich zugehen auf jemanden mit problematischem Trinkverhalten und ihm ein offenes, nicht offensives Feedback geben.
LöschenEin paar "erstaunte Aha-Momente", vielleicht früher und in einem freundlicheren Kontext als es in Einzelfällen tatsächlich passierte, hätten mir gut getan, wäre ich dankbar für gewesen.
Das Gefühl, als Kind in permanenter Angst-Spannung zu leben, kenne ich gut, die Vermeidungs- und UmgangsStrategien waren steter Bestandteil meines Lebens.
Wie ich die Wochenenden immer gehasst habe zu Schulzeiten.
Es war ausnehmend Glück, dass ich mir selbst nie auch nur irgendeine Verantwortung gegeben habe - auch in den Momenten nicht, in denen Erwachsene mir diese aufdrücken, gar die ursächliche Schuld an der Situation geben wollten.
Und reines Glück ist auch, wie Dinge ausgehen.
Es ist bisweilen lächerlich, wie wenig Einfluss wir haben auf die uns wirklich beeinflussenden Dinge im Leben.
Wieso sollte man es auch nicht tun? Man spricht es besser ehrlich und wertfrei an, sieht nicht weg und macht kein Tabu daraus. Ich verstehe Deinen Gedankengang sehr gut. Wahrscheinlich ist es eine Ausnahme.
LöschenJa, an den Wochenenden bin ich oft geflohen, als ich alt genug war. Es war die schlimmste Zeit der Woche.
Schuld wurde mir keine gegeben, ich habe das lediglich so empfunden. Es ist typisches Verhalten.
Ich bleibe einfach in allem optimistisch und halte daran fest.