02 Mai 2023

wozu Fotos?

Wer weiß schon, wie viele digitale Fotos er besitzt?
Also, nur digitale?

Wir fotografieren jeden und alles, 
speichern es auf den Smartphones, bis diese voll sind,
sichern es dann in irgendwelchen Festplatten oder 
Clouds - und gucken sie nie wieder an.

Ich tue das auch.
Nur: Wozu?

Denn inzwischen ist mir auch bewusster geworden,
weshalb wir diese Bilder nie wieder anschauen.

Das fiel mir auf, als ich neulich alte Fotoalben aus
dem Keller heraufgeholt hatte, um ein paar der Abzüge
mit einem Smartphone-App einzuscannen.

Fast alles, was dort zu sehen war, trug das Attribut
"kannst Du niemandem mehr zeigen."

Nicht wegen der vormals wilden Frisuren
Oder der peinlichen Klamotten wegen.

Sondern weil es niemanden gibt, dem das noch
anschauenswert erschiene.

Die Menschen, zumal die Paare auf den Bildern,
sie sind längst nicht mehr in meinem Leben und
längst nicht mehr miteinander zusammen.

Und die Gegenden, wo wir waren?
Die Landschaftsaufnahmen?

Die will in der damaligen Qualität auch niemand
mehr ansehen. Und vor Allem will kein aktueller Partner
Bilder mit dem vorherigen drauf ansehen.

Aber das trifft auf grob 95% der Bilder in meiner Sammlung zu:
Da ist ein Mensch drauf, den niemand mehr kennt oder
kennenlernen wird. Oder eine Gegend, die ich vermutlich
selbst niemals wiedersehen werde, in der Mehrheit der Fälle.

Hand aufs Herz - wie oft wirklich haben Sie Ihre Fotos oder
die Fotos Ihrer Eltern je wieder angeschaut? Und selbst jene 
mit potentiell höchstmöglichem Emotionswert (Aktfotos,
Hochzeitsbilder, Kinderfotos) - wie oft hatten Sie die je
wieder in der Hand?

Also: Wozu dann eigentlich Fotos?

Als jemand, der immer gerne fotografiert hat, erschien mir
die Fragestellung allein schon bizarr. Aber sie ist berechtigt.

Denn außer dem Schaffen von Kunst ergibt Fotografieren
für mich inzwischen kaum noch einen Sinn.

Und das macht mich tatsächlich ein klein wenig traurig.



7 Kommentare:

  1. Das Thema hatten wir kürzlich unter uns Geschwistern. Es ging darum, dass man von sich selbst fast keine Fotos mehr gemacht hat in den letzten 2 Jahrzehnten. Das finde ich schon irgendwo schade, weil Fotos zeigen den Wandel der Zeit und sind vor allem historisch relevant.

    Am WE habe ich einem mir sehr am Herzen liegenden Menschen Familienfotos gezeigt, von Eltern und Großeltern, von mir als Kind und als Heranwachsende. Diese Möglichkeit hätte ich sonst nicht gehabt. Vor allem alle Fotos auf Papier. Es war ein schöner Moment das teilen zu können. Es waren Fotos dabei, die teilweise 70 Jahre und älter waren.

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    1. Diese schönen alten Fotoalben schaue auch ich viel lieber an als digitale Cloudbilder. Gedruckte "best of"-Fotobücher wären vielleicht eine Lösung, digitale Fotografie wieder mehr schätzen zu können...

      Und ich hätte nur zu gerne 50 Jahre alte Familienfotos. Aber es gibt keine mehr.

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  2. Was Nova sagt.

    Ich gucke sehr gerne alte und sehr alte Fotos, habe aber auch nur die aufgehoben, die einen emotionalen Wert fuer mich haben und irgendein Gefuehl wieder heraufzubeschwoeren imstande sind. Es sind vlt drei analoge Ordner. Bilder mit meiner Schwester oder meinen Eltern, als Kind an der Ostsee oder Mecklenburger Seenplatte. Bilder von Reiturlauben, im Galopp mit Analog-Kamera geschossen, oder das Paddelboot kurz vorm kentern :)
    Von unserer Clique mit 16 bei irgendwelchen verpeilten Gartenparties.

    Bilder von Omi, Opi, Tante Grete, alle noch schwarzweiss...

    Und klar, Fotos vom Sohn noch mal ein Extra Ding, aber auch da schaue ich mir lieber die ausgedruckten an, denn die sind schon die Essenz aus allem. Und sie laufen auf einem Digitalen Fotorahmen durch und erfreuen mich regelmaessig sehr!

    Ich habe schon lange aufgehoert, Gebaeude, Landschaften, Staedte etc zu fortografieren. Einerseits, weil ich es nicht so ueberhaupt nicht schoen kann, hauptsaechlich aber, weil man dann nach Jahren nur sagt: Aha, ein Berg. Oder Aha, ein Schloss. Oder Aha, London.

    Was wirklich bleibt, sind die verwackelten Schnappschuesse mit den Lieben, die man hat oder hatte, bei denen man sofort laecheln muss, wenn man die sieht :)

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    1. (lustig uebrigens hier noch die Einordnung "Aktfotos, Hochzeitsfotos" bei "emotionalem Wert" - da waere von mir keins davon dabei ^^ )

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    2. Emotionale Werte bedeuten für Jeden etwas Anderes, aber ich fürchte, die MEHRHEIT der Leute würde durchaus Aktfotos, Hochzeitsfotos und so was bei jenen Bildern MIT emotionalem Wert verorten...^^

      Und irgendwie denke ich, man sollte viel, viel mehr Handybilder einfach löschen. Es würde den Wert der verbliebenen Bilder nicht mehr so inflationär entwerten. Vielleicht.

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    3. Handyfotos loeschen! So viele wie moeglich, das ist eine SEHR gute Idee! Sitze naemlich gerade im Zug und habe Zeit, weil ich keine Verbindung ins Firmennetzwerk bekomme und das ist definitiv besser als Candy Crush. Los gehts :)

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    4. Wir könnten daraus eine CHALLENGE machen!
      Jeden Tag 15 Fotos vom Handy löschen!
      Sofern neue an dem Tag dazu gekommen sind: 15 mehr löschen, als neue hinzugekommen sind.

      Habe nachgerechnet:
      In bereits 23 Jahren hätte ich alle Fotos vom Smartphone weg 😂.

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