Wenn man nach seiner Bewerbung zu einem "Feedbackgespräch"
eingeladen wird, weiß man im Prinzip ja schon:
Hier geht das nicht weiter für Dich.
Das ist ein Absagebegründungstermin.
Weil ja einer der wesentlichen Negativpunkte der Bewerber
in solchen Gesprächen jener ist, dass man nicht wirklich erfährt,
weshalb man aus dem Rennen ist, dies andererseits aber auch
eine Menge Ärgerpotential für die Einstellenden bietet
(nämlich dann, wenn sich ein Bewerber auf den Schlips getreten
fühlt und die Firma wegen vermuteter Ungleichbehandlung verklagt),
tut sich diese offene Flanke heutzutage kein Arbeitgeber mehr geben,
der bei Verstand ist.
Wichtig ist auch, in so einem Feedback-Ablehnungsgespräch
wenn möglich möglichst mehrere Faktoren zu nennen, die zur
Ablehnung geführt haben, damit der Bewerber nicht auf die Idee
kommt, wegen eines singulären Grundes (womöglich juristisch
anfechtbar) aussortiert worden zu sein.
Beispielsweise nennt man dann 1 fehlenden Punkt aus den harten,
funktionserfordernden skills (harte Faktoren, derzeit für die
Einstellung hier und jetzt nicht vorzeigbar) und dann noch 1 fehlenden
Punkt aus den weichen, persönlichkeitsbezogenen Skills
(weiche Faktoren, die zeitpunktunabhängig der Einstellung
ganz grundsätzlich im Wege stünden).
Nimmt man Beides zusammen als Absagegrund, entzieht man sich
bestmöglich einer monokausalen (womöglich juristisch heiklen)
Vorwerfbarkeit.
Man ist gut beraten, in solchen Feedbackgesprächen,
gerade auch per VideoCall, aufmerksam zuzuhören.
Erstens kann man ja was über sich lernen.
Zweitens kann man ja was über die lernen.
Drittens kann man sein oben ausgeführtes Bild von HR-Leuten
einer Realüberprüfung unterziehen.
In meinem Fall dauerte der Online-Feedbacktermin,
Wetter-Smalltalk und Urlaubstage-Geplänkel einbezogen:
Exakt 6 Minuten.
In dem sehr freundlichen und unvorwerfbar offenen Gespräch
wurden mir die 2 Gründe genannt, wegen derer es für mich
nicht weiter in die nächste Runde ginge:
1. Zweifel an der Teamfähigkeit (soft skill / permanent lack)
2. Zweifel an der Trainerbefähigung (hard skill / temporary lack)
Beides in Summe führte dann zum Ausscheiden aus dem Rennen.
Nahezu mustergültig wie aus dem Lehrbuch abgesagt.
Nun muss man fairerweise dazu sagen, dass es absolut Gründe
gegen mich als Trainer dort gäbe. Reihenweise sogar.
Aber eben solche, die zwar ehrlich(er) gewesen wären in meinen
Augen, die aber allesamt angreifbar gewesen wären im Nachhinein.
Vielleicht muss man sich vor Augen führen,
dass solches HR-Verhalten einfach nur menschlich ist:
Keiner macht sich mehr Ärger als theoretisch möglich,
nicht für einen Fremden.
Und ein Fremder bin ich nun mal.
Einer von über 70 Bewerbern.
Hält mich das auf? Nein, das tut es nicht.
Schon morgen geht es weiter.
Mit dem nächsten Bewerbungsgespräch.
Zeit für eine kleine Autofahrt.
Haltet mich nicht auf :-).
Durchhalten lohnt sich, Selbsttest erfolgreich durchlaufen. Nur dass ich mich jetzt innerhalb von 2 Tagen entscheiden muss, zwischen zwei unterschiedlichen Stellen. Auch keine Freude irgendwie
AntwortenLöschenSie haben da nicht zufällig einen Rat für mich?
Einen Rat? Eine so große Klappe wie ich, und dann womöglich KEINEN RAT haben!? Sie belieben zu scherzen :-).
LöschenMein Rat also:
Immer den Job nehmen, der mehr Freiheiten, mehr Freizeiten und mehr home office-Anteil ermöglicht.