"Richard what's wrong with you?"
Immer wieder passiert das in letzter Zeit:
Ich laufe durch den Keller, durch das Treppenhaus,
durch den Flur der neuen Wohnung, durch die Räume,
auch mal durch die Garage.
Und für einen Sekundenbruchteil bin ich woanders.
Ich sehe meine Füße, ja, aber sie laufen, auf anderem Grund.
Zwischen anderen Wänden hindurch, in anderem Licht.
Der Flur, durch den sie mich tragen, ist für einen Moment
-für 1 einziges Bild von 25 in einer Sekunde- ein anderer.
Wie in diesem genialen Tarantinofilm, in dem in einer Szene
für einen Bruchteil einer Sekunde ein anderes Bild zu sehen ist.
Genau so.
Und ich kenne diesen anderen Ort, an den ich für diese eine
vielleicht 25stel Sekunde versetzt werde:
Es ist meine alte Wohnung.
Für einen kurzen Moment bin ich wieder dort.
Für einen kurzen Moment ist der Klang meiner Schritte von dort.
Für einen kurzen Moment ist die Temperatur auf meiner Haut die dortige.
Für einen kurzen Moment erwarte ich hinter dieser Wand,
hinter dieser Ecke meine alte Küche, mein altes Schlafzimmer,
mein wunderbares Wohnzimmer.
Unser altes Wohnzimmer.
Und dann, nur einen Wimpernschlag später, bin ich wieder hier.
In dieser Wohnung.
In dieser fremden Wohnung, die jener unbekannte Fremde
so nach und nach in kleinen Schritten herrichtet, repariert,
mit Hilfe seiner Freunde und Bekannten, meist aber allein,
schöner macht.
Ich sehe seine Fortschritte, ich bemerke und anerkennend
seine schrittweisen Veränderungen hier.
Sie fallen mir auf.
Mir, dem ich hier -in seiner AirBnB-Wohnung-
auf Dauer zu leben eingerichtet scheine.
Ich sehe diesen Fremden täglich:
Er schaut mir morgens im Spiegel entgegen.
Nicht an jedem Tag kann ich ihn gleich auf Anhieb identifizieren.
Manchmal bedarf es erst eines kleinen Dialogs im Spiegel mit ihm,
um eine gewisse Vertrautheit aufs Neue zu reetablieren.
Ein Dialog, in letzter Zeit auch tatsächlich laut,
also hörbar, mit Stimme geführt.
Was hier passiert, kapiere ich. Völlig.
Warum das hier passiert, kapiere ich auch.
Weshalb mein Geist diese kleinen Dissoziationen,
diese kleinen Mikroeskapismen herbeizaubert,
es ist mir ohne jeglichen Erläuterungsbedarf offensichtlich.
Noch beeinträchtigt es nicht meine Außenwirkung.
Noch hat es keinen negativen impact auf mein Wohlbefinden.
Noch habe ich es im Griff.
Aber zwei Sachen sind auch klar:
Erstens, es schadet sicherlich nicht, da in der Sache wachsam zu bleiben.
Zweitens, es ist schon fast lächerlich, was für in miserabler Loslasser ich bin.
Aber auch dafür ist mir der Grund völlig gewahr.

Wir sind alle miserable Loslasser. Und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt im besten Falle sein Gegenüber, im schlechtesten Falle sich selber an.
AntwortenLöschenWir sind nicht zum Loslassen geboren. Einer der ersten Reflexe, die wir schon als Babys im Mutterleib beherrschen ist der Greifreflex ...
Es mag sein, dass wir alle nicht sonderlich "gut" im Loslassen sind.
LöschenSpeziell der heutige Tag hat mir aber einmal mehr gezeigt, dass ich hier Anwärter auf den ChampionsLeague Pokal bin.
Lass es mich anders ausdrücken:
Bei Allem, was auch ANDERE so erleben, erleiden, durchdenken, wie sie wachliegen nachts und sich grämen, wie sie sich Vorwürfe machen und in Vorwürfeschleifen hineinschicken:
Tatsächlich möchte ich mit niemanden von ihnen tauschen.
Nicht weil ich es so GUT hätte.
Sondern weil ich DAS hier wirklich NIEMANDEM zumuten wollen würde:
So sehr vermag ich keinen Menschen zu verabscheuen.
maaaaan ich hatte zuerst den Tarantino Clip gesehen und dachte ach du scheisse, was für splatterige Abgründe kommen denn jetzt....
AntwortenLöschenDiese Kurzflashs sind normal, hatte ich nach 15 Jahren ex Kiez auch. Oder nach Schul- oder jobwechsel, meine fresse ^^
Den Rest aber wirklich im Auge behalten. lass auf dich aufpassen!
Oh, keine Sorge, ich bin erstens kein gewalttätiger Mensch.
LöschenUnd zweitens scheue ich es, hinterher die Sauerei aufputzen zu müssen ;-).